Das radikal Böse

Dokumentarfilm von Stefan Ruzowitzky / Deutschland, USA 2013

Inhalt

Während des Zweiten Weltkriegs (ab 1941) wurden in Osteuropa rund zwei Millionen jüdische Zivilisten von deutschen Einsatzgruppen und Polizeibataillonen bei öffentlichen Erschießungen getötet. Wie konnten aus den Männern, die diesen Erschießungskommandos von Sicherheitspolizei und Sicherheitsdienst angehörten, Massenmörder werden? Der österreichische Regisseur Stefan Ruzowitzky geht dieser Frage nach, indem er anhand von Tagebuchaufzeichnungen, Briefen und Gerichtsprotokollen nachzuvollziehen versucht, was die Männer damals bewegte. Darüber hinaus präsentiert er berühmte sozialpsychologische Experimente und führt Interviews mit namhaften Wissenschaftlern zu ihren Forschungen zur Täterpsychologie. Die vernichtende Wirkung von Propaganda, Gruppenzwang und der erschreckenden Effizienz des NS-Regimes wird in all diesen Aspekten deutlich, ohne dass eine eindeutige Antwort auf die Eingangsfrage möglich wäre.

Eintritt: frei! / Mindestverzehr: 7 €

FSK: 12

Termine

Mi03.04.201919:30

Das radikal Böse

Hintergrund

Die Tatsache, dass ein Großteil der Zeitzeugen inzwischen verstorben ist, nimmt Ruzowitzky zum Anlass eine zeitgenössische Herangehensweise zu entwickeln. So arbeitet er stark mit Spielfilmelementen, um die Erkenntnis, die in den historischen Textquellen steckt, zu vermitteln: Dass es sich bei den Tätern um ganz normale Menschen handelte, die ohne schwerwiegende Folgen „Nein“ hätten sagen können. Die Texte werden aus dem Off vorgetragen, während Statisten Szenen aus dem Soldatenalltag nachstellen, häufig in Großaufnahmen und verfremdet durch Split-Screen-Verfahren. Die vorgestellten sozialpsychologischen Experimente werden ebenfalls in inszenierten Szenen gezeigt. Sie dienen als Denkanstöße zwischen den Kapiteln des Films. Ergänzt durch klassische Mittel des Dokumentarfilms – Experteninterviews, Archivmaterialien und Zeitzeugenbefragung in der ukrainischen Kleinstadt Bibrka – entsteht ein aufschlussreiches Geflecht aus historischen Fakten, zeitlosen Fragen und aktuellen Analysen.